Was ist der Unterschied zwischen einem erfolgreichen Bösewicht und einem Versager? Ersterer überlebt meist und hat noch genug, ja meist sogar mehr Kraft für einen zweiten Teil. Gerade Rollenspielern sind diese Sorte Übelwicht besonders vertraut.…
Was ist der Unterschied zwischen einem erfolgreichen Bösewicht und einem Versager? Ersterer überlebt meist und hat noch genug, ja meist sogar mehr Kraft für einen zweiten Teil. Gerade Rollenspielern sind diese Sorte Übelwicht besonders vertraut. Diesmal trifft es Diablo, den Herrn der Unterwelt, den wir bereits vor einigen Jahren besiegt hatten. Nun, so ganz besiegt haben wir ihn wohl doch nicht, denn der Schurke hat Begriff von unserem damaligen Helden ergriffen und erfreut sich bester Gesundheit.
Als wäre das nicht schlimm genug, hat sich Diablo nun entschlossen, seine beiden Brüder Mephisto und Baal zu erwecken. Als Held kann man so etwas natürlich nicht dulden und beginnt nun, dem Dreigestirn der teuflischen Macht nachzujagen. Die Jagd führt uns durch insgesamt vier Akte, welche nacheinander gespielt werden. Wir beginnen in einer Graslandschaft, wo wir im Lager der Jägerinnen um Rat suchen. Später kommen wir noch durch die Wüste, den Dschungel und durch die Hölle. Überall gibt es für unseren Helden eine ganze Menge Arbeit. Nicht zuletzt machen uns viele verschiedene Monster Probleme, die wir aber mit diversen Waffen schnell erlegen. In den grafisch sehr schön gestalteten Gegenden macht die Arbeit aber auch richtig Spaß. Insgesamt macht die Grafik, speziell die Magieeffekte einen sehr guten Eindruck. Auch unser Held braucht sich nicht verstecken, sieht man doch jede angelegte Rüstung und Waffe sofort. Wo man im ersten Teil nur die ungefähre Klasse erahnen konnte, hat jetzt fast jede Waffe ihr eigenes Aussehen. Das gilt ebenso für Rüstung, Helm, Gürtel usw. Die Landschaften und Monster wurden passend gestaltet. Einzige Kritikpunkte sind die Auflösung von 640x480 Punkten und die Grafikengine an sich. Diese wirkt trotz der vielen Effekte etwas angestaubt. Weggemacht werden diese Mankos aber durch bildschirmfüllende Magieeffekte, welche wirklich sehr schön animiert sind. Diablo 2 bietet einen 2D und einen 3D Modus. Richtige Unterschiede zwischen diesen beiden erkennt man allerdings nur, wenn man mehrere Effekte gleichzeitig einsetzt. Auch akustisch wird der Spieler mit sehr stimmungsvollem Sound verwöhnt. Jede Gegend hat ihre eigenen, typischen Geräusche, Kisten knarren beim Öffnen und die akustische Gestaltung der Zwischensequenzen verwöhnt selbst Kinofans.
Bei einem Action-Rollenspiel kommt es jedoch nicht nur auf optische und akustische Effekte an. Gerade die Steuerung zählt zu den wichtigsten Kriterien. Sie allein entscheidet darüber, ob ein Spiel wirklich gelungen ist oder nicht. Bei Diablo2 wurde die Steuerung größtenteils aus dem ersten Teil übernommen und an einigen Punkten verbessert. Ein Klick auf einen Punkt und schon läuft unser Held dahin, ein weiterer Klick löst einen Zauberspruch aus. Diese Steuerung klingt sehr simpel, reicht aber vollkommen aus. Die meisten Spieler werden jedoch zusätzlich auf die Tastatur zurückgreifen, da man so wesentlich schneller Zaubersprüche wechseln und Objekte benutzen kann. Im Gegensatz zum ersten Teil reicht jedoch ein Klick auf einen Gegner. Hält man nun die Angriffstaste gedrückt, schlägt unser Held weiter darauf ein. Die wilden Klickorgien sind somit Geschichte. In der Praxis funktioniert die Steuerung größtenteils problemlos. Ab und an leidet unser Held aber doch unter Orientierungsmangel. So kann es in größeren Monsterhorden passieren, daß unser Held einfach stehenbleibt, bis man auf einen anderen Punkt klickt. Dies führt zwar ab und an zu Frusterlebnissen, diese halten sich jedoch im Rahmen.
Eine weitere Veränderung zum ersten Teil stellen die Heldentypen an sich dar. Als Spieler bekommen wir die Wahl zwischen Barbar, Paladin, Amazone, Zauberin und Necromancer. Gerade diese Auswahl hat direkten Einfluß auf den Schwierigkeitsgrad. Laut Blizzard sollen die Helden zwar gut ausbalanciert sein, in der Praxis offenbaren sich jedoch schnell die Stärken und Schwächen der einzelnen Helden. So hat der Necromancer beispielsweise extreme Probleme mit seiner magischen Energie. Hinzu kommt, daß er nur schlecht schweren Schaden anrichten kann. Anfangs spielt er sich noch recht einfach, ab dem dritten Akt wird es jedoch ziemlich schwer für ihn. Ein weiterer Punkt, der direkten Einfluß auf die Schwierigkeit hat, ist das neue Fertigkeitensystem. Zum einen erhält jeder Held beim Stufenanstieg Punkte, welche er auf seine Werte verteilen darf, zum anderen erhält man einen Punkt, den er auf seine Spezialfähigkeiten verteilen kann. Wer diese Punkte unüberlegt verbraucht, kann in den späteren Spielabschnitten nur schwerlich mithalten.
Zum ersten Teil, ist das Sterben im Spiel, auch eine weitere Veränderung. Wer im ersten Teil starb, war unwiederbringlich tot. Es blieb der einzige Griff zum alten Savegame. Wer in Diablo 2 stirbt, wird sofort wieder in der jeweiligen Heimatstadt abgesetzt. Man verliert einzig und allein einige Goldmünzen. Wenn man sich dann zurück an den Todesort begibt, kann man alle seine Gegenstände wieder aufnehmen. Positiv kann man vermerken, daß bereits angerichteter Schaden am Gegner noch vorhanden ist. Mit anderen Worten: Auch wenn man 30 mal stirbt, hat man noch die Möglichkeit, dem Endgegner immer wieder etwas von seiner Energie abzuziehen um schließlich das Spiel doch noch zu beenden.
Eine weitere Änderung zum Vorgänger betrifft das Speichersystem. Es ist leider nicht mehr möglich, an jedem Punkt des Spiels zu speichern. Theoretisch ist dies zwar möglich, doch befindet man sich beim Laden des Spielstandes immer wieder in der Heimatstadt. Glücklicherweise gibt es ein Waypoint-System, mit dem man schnell durch die verschiedenen Schauplätze eines Aktes springen kann. Die vier Akte sind nicht frei anwählbar. Vielmehr muß man in einem Akt alle gestellten Aufgaben erfüllen, um dann in den nächsten Akt voranschreiten zu dürfen. Ein weiteres Problem, welches vielen Helden zu schaffen machen wird, ist der zu knappe Platz im Rucksack. Nach kurzer Spieldauer läßt man etliche Waffen und Rüstungen links liegen, weil man nicht schon wieder Lust hat, zurück ins Lager zu laufen. Es besteht zwar die Möglichkeit, Tränke im Gürtel und Schriftrollen in Folianten zu speichern, doch bleibt der Platz sehr begrenzt. Einige Neuerungen im Spiel verlangen aber dringend nach Platz. So gibt es jetzt beispielsweise zusammengehörende Ausrüstungssets. Diese entfalten ihre volle Wirkung erst, wenn alle Teile gefunden wurden. Durch den geringen Platz ist es aber nicht möglich, alle Sachen aufzuheben. Zwar steht in unserem Lager noch eine Truhe bereit, doch auch in diese paßt nicht sehr viel. Im angekündigten Add-on soll allerdings genau dieser Punkt endlich verbessert werden. Diablo 2 lag zum Test in der deutschen Version vor. Diese ist in den meisten Punkten sehr gut gelungen. Einzig und allein einige Monsternamen locken eher ein Lächeln als den Angstschweiß hervor. Was sollen auch Namen wie „Baumklopf Holzfaust“ und „Kaltwurm der Gräber“ bewirken? Aber auch diese Details stören den Spielablauf nicht.
Als letzter wichtiger Punkt ist der Multiplayermodus zu erwähnen. Blizzard bietet hier verschiedene Möglichkeiten an. Zum einen gibt es die normale Internetverbindung zwischen Freunden. Hinzu kommen noch das geschlossene und das offene Battlenet. Blizzard hat die Beschwerden der Fans, des ersten Teils, welche sich auf Cheater bezogen, sehr ernst genommen. Im geschlossenen Battlenet ist das Mogeln so gut wie unmöglich, da alle Charakter auf dem Server gespeichert sind. Auch gibt es die begehrten Unique Items (seltene Objekte) pro Server nur ein einziges Mal. Dieser Umstand führt dazu, daß sich große Handelsbörsen allein für die Gegenstände entwickelt haben.
Fazit
Diablo 2 hat sehr viele Stärken und nur sehr wenige Schwächen. Viele Kritikpunkte des ersten Teils wurden überarbeitet und neu gestaltet. Das Speichersystem ist allerdings gewöhnungsbedürftig und nicht jedermanns Sache. Auch daß bereits getötete Monster nach Laden des Spielstandes wieder auftauchen, ist nicht gerade Spielerfreundlich. Trotz dieser Punkte bleibt Diablo 2 aber erste Wahl, wenn man nach einem süchtig machendem Action-Rollenspiel sucht.
Systemanforderungen & Support
Ja
Systemanforderungen
Systemangaben: P III 600 mit 256 MB Ram 48fach CD und 3D Karte
Voraussetzungen: PII 200, 64 MB Ram, 12fach CD