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Review · Aufbausimulation

Die Gilde

Das Mittelalter übt auf Computerspieler immer einen besonderen Reiz aus. Gerade in Sachen Handel war damals noch echte Handarbeit gefragt. Dies ist wohl auch der Grund dafür, war-um viele Handelssimulationen und Rollenspiele in dieser Zeit…

Titelbild zu Die Gilde
Das Mittelalter übt auf Computerspieler immer einen besonderen Reiz aus. Gerade in Sachen Handel war damals noch echte Handarbeit gefragt. Dies ist wohl auch der Grund dafür, war-um viele Handelssimulationen und Rollenspiele in dieser Zeit spielen. Auch „Die Gilde“ ent-führt uns wieder in eine Zeit voller Intrigen und Romanzen. Da die ursprüngliche Version des Spiels unter vielen Bugs litt, testen wir heute die aktuelle gepatchte Version.

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Doch bevor wir uns dem eigentlichen Spiel zuwenden, wollen wir einen kleinen Blick in die Vergangenheit werfen. Eigentlich müßte „Die Gilde“ nämlich „Die Fugger 3“ heißen. Leider hatten die Nachfahren des berühmten Jakob Fugger ein kleines Problem mit dem Namen und erließen eine einstweilige Verfügung, die die Benutzung des Namens untersagt. Aber was sind schon Namen? Inhaltlich führt „Die Gilde“ die Traditionen der Fugger-Serie fort. Spieler der ersten Teile wissen, was dies bedeutet. Im Gegensatz zu anderen Handelssimulationen geht „Die Gilde“ einen Schritt weiter. Neben dem Händlerdasein geht es nämlich auch darum eine Familie zu gründen, sich um städtische Posten zu bewerben und der Konkurrenz eins auszuwischen. Diese Mixtur sorgte bereits in den ersten Teilen für viel Spaß und wurde kon-sequent weiterentwickelt.

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Im Gegensatz zu den ersten Teilen kommt dem Handelsaspekt eine wesentlich höhere Be-deutung zu. Im Vorgänger setzte man meist einen Meister in seinem Betrieb ein und küm-merte sich kaum um diese Arbeit. In „Die Gilde“ wird dies anders. Hier muß man sich selbst weiterbilden, Talente erweitern und sich um die Produktion kümmern. Zwar besteht auch wieder die Möglichkeit, einen Meister einzusetzen, doch gerade am Anfang wird man jeden Pfennig brauchen, um der harten Realität des Mittelalterhandels zu trotzen. Eine entscheiden-de Änderung zum Vorgänger besteht darin, daß man sich am Anfang für einen bestimmten Beruf entscheiden muß. Im späteren Verlauf kann man auch noch weitere Wege einschlagen, doch am Anfang hat man auch mit einem Betrieb mehr als zu tun.
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Für viele Spieler ist natürlich auch der zweite Teil des Spiels – das Gemeindeleben – interes-sant. Auch hier wurden viele neue Möglichkeiten geschaffen. Die Palette reicht von Spionage über Sabotage bis hin zu Verleumdung. Auch ist es natürlich wieder möglich, den Gegner vor Gericht zu zerren. Jetzt ist es sogar bei schweren Verbrechen möglich, das der Angeklagte hingerichtet wird. Natürlich schlafen auch die Computergegner nicht und versuchen mit allen Mitteln, den Spieler in die Enge zu treiben. Eine sehr schöne Erweiterung ist der Familien-stammbaum. Im Vorgänger hatte man mit seiner Familie eigentlich wenig am Hut. Jetzt kann es sogar vorkommen, das ein Mitglied der eigenen Familie im Stadtrat sitzt. Dann sollte die Wahl in selbigen nicht schwerfallen. Schwierig wird es natürlich, wenn die ach so geliebte Schwester bei der Erbschaft des Vaters übergangen wurde und nun ziemlich stinkig ist. Ja, „Die Gilde“ bietet wirklich viel Raum für Intrigen und böse Überraschungen. Auch grafisch wurde das Spiel sehr schön gestaltet. Die Stadt erscheint in 3D Grafik, die zoom- und drehbar ist. Zur besseren Übersicht läßt sich auch eine 2D Karte einblenden. Auch die Innenräume der Gebäude sehen sehr hübsch aus. Einige Punkte hätten allerdings noch eingebaut werden kön-nen. So bekommt man zwar ab und an die Meldung, daß eine Hochzeit stattfindet, doch bleibt die Kirche leer. Auch zum Gottesdienst befindet sich kein Mensch in der Kirche. Nur ein Schriftstück informiert über die Besucherzahl.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, daß kleine Erweiterungen an den eigenen Gebäuden, wie bei-spielsweise Dornenhecken, nicht dargestellt werden. Auch ist die Nahansicht der Personen nicht besonders gelungen. Von der Nähe gesehen wirken die Animationen der Menschen eher etwas abgehackt und ruckartig. Insgesamt stört dies aber das Spiel nicht, denn ansonsten er-strahlt die mittelalterliche Welt in schönem Gewand.

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Auch musikalisch wurde auf traditionelle Musik gesetzt. So ertönen neben Lautenklängen in vielen Gebäuden spezielle Soundeffekte, die das Geschehen in eine schöne Soundkulisse bet-ten. Die Sprachausgabe klingt auch gut, kann aber teilweise etwas nerven. Freunde mittelal-terlicher Klänge wird das aber nicht stören.
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Gerade in 3D Spielen stellt sich immer wieder eine Frage, die Frage nach der Steuerung. Hier haben die Hersteller gute Arbeit geleistet, denn die Maussteuerung funktioniert fast tadellos. Einzig und allein in den Kämpfen geht es etwas ungenau zu. Der Hauptteil des Spiels läßt sich aber gut steuern. Damit der Spieler nicht die Übersicht verliert, werden im unteren Teil des Bildschirms aktuelle Meldungen eingeblendet, die den Spieler auf Wunsch auch sofort an den Ort des Geschehens bringen. Wichtige Orte auf der Karte kann man auch per Tastendruck erreichen. Leider kommt hier das etwas ungenaue Handbuch zum Tragen. Viele Funktionen sind nur schlecht bzw. gar nicht erklärt. Hier muß der Spieler viel selber tüfteln um alle Funktionen zu entdecken. Die Gilde bietet zwar ein Tutorial in den ersten Spieljahren, doch bleiben auch hier viele Fragen offen. Da aber für gewöhnlich in den ersten Spieljahren noch viel Zeit ist, kann man in Ruhe ausprobieren und sich mit den Funktionen vertraut machen. Damit auch Anfänger eine Chance haben, wurden dem Spiel mehrere Städte spendiert. Die Wahl der Stadt wirkt sich direkt auf den Schwierigkeitsgrad aus. Zusätzlich zu den Städten gibt es noch Aufträge, die auch wieder in die Kategorien „sehr leicht“ bis „sehr schwer“ fal-len. Hier kann sich jeder Spieler also den gewünschten Schwierigkeitsgrad erwählen. Die Missionen fallen sehr unterschiedlich aus. Mal geht es darum, eine bestimmte Summe Geld zu erlangen, mal geht es um einen Titel, manchmal aber auch um das Begehen von Straftaten. Es wird also für jede Art Spieler etwas geboten.

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Ein Wort noch zum Spiel an sich. Die erste Version von „Die Gilde“ hatte mit vielen Bugs zu kämpfen. So kam es unter anderem zu unerklärlichen Abstürzen während des Spielbetriebes, toten Arbeitern, die fröhlich weiter arbeiteten und Meistern, die eine extrem schlechte KI hatten. Auch war das Spiel recht träge und es dauerte ewig bis etwas passierte. Der Hersteller hat hier sehr schnell reagiert und einen ersten Patch mit 82 Änderungen bzw. Ergänzungen auf der Homepage veröffentlicht. Dieser behebt die meisten, wenn auch noch nicht alle Pro-bleme. Auf jeden Fall läuft „Die Gilde“ jetzt wesentlich stabiler als vorher. Auch die Ände-rungen haben dem Spiel sehr gut getan. Insgesamt kann man also sagen, daß Freunde des Mittelalterhandels zugreifen sollten. Es sei jedoch allen angeraten, die Version auf die aktu-ellste Version zu patchen.

Fazit

„Die Gilde“ kann süchtig machen. Anfangs wurde dies durch die vielen Bugs verhindert, doch jetzt erlebt man ein Festival an Intrigen und Spielspaß. Gerade im Multiplayermodus macht es einen Heidenspaß, gegen Freunde anzutreten und sie Runde für Runde langsam zu ruinieren. „Die Gilde“ ist eine konsequente Weiterentwicklung des Spiels „Die Fugger 2“.Raum für Verbesserungen ist aber auf jeden Fall noch.

Systemanforderungen

Systemangaben: Rechner mit 700Mhz, 256 MB Ram, 690 GB Festplattenspeicher, 3D Karte mit 32 MB Voraussetzungen: Rechner mit 400Mhz, 128 MB Ram, 690 MB Festplattenspeicher, 3D Karte mit 16 MB