Etherlords, ein Ausnahmespiel geht in die zweite Runde. Ein Hoffnungsschimmer für alle, auf deren Rechner Magic the Gathering nicht mehr läuft und denen die japanischen Ableger zu kindisch sind. Ob das Spiel an den Erfolg seines Vorgängers…
Etherlords, ein Ausnahmespiel geht in die zweite Runde. Ein Hoffnungsschimmer für alle, auf deren Rechner Magic the Gathering nicht mehr läuft und denen die japanischen Ableger zu kindisch sind. Ob das Spiel an den Erfolg seines Vorgängers anknüpfen kann, wollen wir betrachten.
„Die Welt ist im Wandel!“ Dieses Zitat trifft nicht nur auf den Herrn der Ringe zu. Nein, auch in der Welt von Etherlords hat sich so einiges geändert. Vorbei die Zeiten, als Vitali gegen Chaosianer zogen und Syntheten sich gegen Kineten behaupten mußten. Eine neue Seuche überzieht das Land. Diese, als „bleicher Rost“ bezeichnete Krankheit verändert die Welt und ruft unsere Helden wieder auf den Plan. Es gilt, das Geheimnis des Rosts zu erkunden und die Gefahr für immer zu beseitigen. Große Taten stehen also an. Und so werden auch gleich nach Spielstart die ersten großen Änderungen offenbar. Anders als im Vorgänger steuert man nicht mehr viele verschiedene Helden durch die Welt, sondern nur noch einen einzigen. So erhält das Spiel etwas mehr Rollenspielcharakter und die Identifikation mit dem Helden ist so wesentlich stärker, als im ersten Teil. Dies ist aber bei weitem nicht die einzige Änderung. Auch der Blickwinkel hat sich stark verändert. So sah man im ersten Teil das Geschehen noch aus einer gewissen Höhe. Nun befindet man sich mit der Kamera immer in der Nähe des Helden, was zum einen zwar einen detaillierteren Einblick in die Welt erlaubt, andererseits aber auch auf Kosten der Übersicht geht. Ansonsten ähnelt der zweite Teil in vielen Teilen dem ersten, was in den folgenden Abschnitten auch erkennbar sein wird. Das einzig wirklich Neue ist die Rasse des Rosts, die leider in der Kampagne nicht spielbar ist und ein paar neue Zaubersprüche. Das sonstige Spielprinzip ist dem des ersten Teils stark ähnlich. Wie gehabt führt man den Held durch die Welt, sammelt Ressourcen, kauft Sprüche und führt das eine oder andere Gefecht. Diese Kämpfe sind auch das eigentliche Highlight des Spiels. Nur wer hier mit der richtigen Taktik, sprich der richtigen Kartenauswahl, an den Start geht, hat eine Chance gegen den aggressiv spielenden Computer.
Auch an der Grafik hat sich nicht so viel verändert. Ja, teilweise scheint das Grafikset 1:1 übernommen worden zu sein. Sicher, die Aufnahmen sind größer und man sieht wesentlich mehr Details, doch insgesamt fehlen die echten Neuerungen. Einzig und allein in den Kämpfen sieht man einige wirklich neue Effekte, obwohl fast alle Kampfarenen schon aus dem ersten Teil bekannt sind. Auch die Heldengrafiken dürften bei den meisten Spielern eher nostalgische Gefühle wecken, da auch diese übernommen wurden. Positiv ist aber zu vermerken, das sich das Aussehen unseres Helden mit steigender Macht wandelt. Insgesamt kann man die Grafik also nicht als schlecht bezeichnen, aber Innovationen muß man leider mit der Lupe suche. Positiv zeigt sich hier die neue Rasse, die etwas arabisch angehaucht ist und durchweg einen optisch guten Eindruck macht. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Sound. Viele Effekte und Musikstücke wurden übernommen. Diese sind zwar nach wie vor Spitzenklasse, doch auch fehlen einfach die AHA-Effekte, die man noch beim Spielen des ersten Teils hatte. Zwar gibt es nun mehr Sprachausgabe, da sich unser Held mit einigen Verbündeten unterhalten kann, doch reicht dieser Punkt nicht aus, um verwöhnte Spieler mit dem Ohr an die Box zu holen.
Problemlos dagegen funktioniert die Steuerung. Alle Funktionen lassen sich mühelos mit der Maus erreichen. Auch das Zusammenstellen des Zauberbuches funktioniert gut. Einziges Problem: Einmal erstellte Zaubersets können nicht abgespeichert werden. So kann es also vorkommen, das man nach jedem Kampf sein Zauberbuch umstellen muß. Hier wäre eine komfortable Savefunktion sicher besser gewesen. Gerade beim Kampf gegen die Monster des bleichen Rosts braucht man spezielle Zaubersprüche, die einem beim Kampf gegen normale Monster nicht nützlich sind. Wechseln sich diese Monster nun regelmäßig ab, kommt man um eine ständige Umverteilung nicht herum. Ein weiteres Manko offenbart sich in den Kämpfen. Sollte der Spieler mehrere Kreaturen beschworen haben, kann es in Einzelfällen dazu kommen, das man eine bestimmte Kreatur nur sehr schwer anwählen kann, weil diese von anderen verdeckt wird. Diese Ausfälle sind glücklicherweise selten und fallen daher nicht so stark ins Gewicht. Insgesamt kann man die Steuerung mit „gut“ beurteilen.
In Sachen Schwierigkeitsgrad zeigt sich Etherlords 2 dann aber von seiner fairen Seite. Es gibt drei unterschiedliche Stufen, so daß auch Anfänger gute Erfolge verbuchen können. Die KI an sich gibt sich sehr kampfesfreudig und nutzt Fehler in der Deckung des Spielers gnadenlos aus. Im Kampfbildschirm findet sich zusätzlich eine Automatikfunktion, die sehr gute Dienste leistet und das eine oder andere Gefecht in letzter Sekunde retten kann. Positiv ist auch zu vermerken, das es für jedes Monster eine Taktik gibt. Jeder Gegner hat Schwachstellen, die man erkennen kann und dann ausnutzen muß. Die Zaubersprüche sind insgesamt gut ausgewogen. Es gibt keine „Überzauber“ – im Gegenteil, mit der richtigen Taktik wird auch das böseste Monster handzahm. Die neuen Sprüche reihen sich gut ein und ergänzen das bekannte Set um nützliche Funktionen. Im Vergleich zu Magic the Gathering fällt allerdings auf, das man in der Auswahl seiner Sprüche wesentlich beschränkter ist. So kann man in den Kampagnen meist nur eine Art der Magie nutzen, Kombinationen mehrerer Kartenarten (z.B.: Chaosianer und Kineten) sind die Seltenheit. Auch in der Gesamtzahl unterschiedlicher Karten liegt noch meilenweit hinter Magic the Gathering zurück.
Ist Etherlords 2 nun empfehlenswert oder nicht? Spieler des ersten Teils finden in den Missionen des zweiten Teils auf jeden Fall eine Herausforderung. Neueinsteiger können problemlos zugreifen. Trotzdem wirkt Etherlords zwei nur wie ein Addon und nicht wie ein völlig neues Programm. Vergleicht man das Spiel mit Addons wie „Frozen Throne“ für Warcraft 3 wird schnell deutlich, das der zweite Teil von Etherlords inhaltlich nur ein Addon des ersten Teils ist. Dafür allerdings wäre es sehr groß.
Fazit
Etherlords 2 macht Spaß. Die Story entfaltet sich langsam, die Kämpfe machen Spaß und die neuen Gegner reizen durchaus. Hätten die Hersteller noch ein paar Erweiterungen mehr in das Spiel gepackt, könnte man Etherlords 2 bedenkenlos empfehlen. So bleibt immer der schale Beigeschmack eines Vollpreisaddons.