Weihnachtszeit - Rollenspielzeit. Warum das so ist, läßt sich relativ leicht erklären. Immerhin hat man selten im Jahr so viel Zeit, um ein modernes Rollenspiel durchzuspielen. Baldurs Gate 2, Ultima 9 und Morrowind zeigten, was Umfang in…
Weihnachtszeit - Rollenspielzeit. Warum das so ist, läßt sich relativ leicht erklären. Immerhin hat man selten im Jahr so viel Zeit, um ein modernes Rollenspiel durchzuspielen. Baldurs Gate 2, Ultima 9 und Morrowind zeigten, was Umfang in Rollenspielen bedeutet. Ob sich der Zeitaufwand für Gothic 2 auch lohnt, steht hier geschrieben.
Vor einigen Monaten überraschte ein deutsches Entwicklerteam mit einem Rollenspielkracher. Gothic war geboren. Im ersten Teil mimte man einen namenlosen Helden, der in ein magisches Hochsicherheitsgefängis geworfen wurde. Der erste Teil überraschte damals mit einer komplett begehbaren Welt und einer glaubwürdigen Spielumgebung. Auch die spielerischen Freiheiten waren einmalig. Viele Spieler waren sich einig, das Gothic sogar das heiß erwartete Ultima 9 in den Schatten stellte. Der zweite Teil knüpft nahtlos an die Geschehnisse des ersten Teils an. Unser Held hat die magische Barriere zerstört und befindet sich tief unter einem Berg unter einem Geröllstapel. Der aus dem ersten Teil bekannte Magier Xardas schafft es, unseren Helden zu retten. Leider hat der ärmste alle seine Fähigkeiten verloren, so das wir quasi im Punkt Null anfangen. Schnell wird klar, das es wieder viel zu tun gibt, denn die Orks wollen das Land erobern, eine Horde Paladine ist auf der Insel angekommen und macht Ärger und irgendwie hat man das dumme Gefühl, das noch mehr dahinter steckt. Es sei gleich vorweg genommen, das tut es auch...
Wie bereits im ersten Teil lebt Gothic 2 von der Spielwelt, die sehr glaubwürdig umgesetzt wurde. So reagieren alle Einwohner der Städte auf unsere Aktionen. Gehen wir einfach in ein fremdes Haus, werden wir kurz darauf Ärger mit dem Besitzer bekommen, töten wir die Schafe eines Bauern, ist man auch nicht sehr glücklich darüber, ja, es wird sogar bemerkt, wenn man die Schafe benutzt, um Wölfe abzulenken. Die Welt von Gothic 2 zählt somit zu den lebensnahesten, denen man im Spielesektor bisher begegnet ist. Auch grafisch macht das Programm einen wundervollen Eindruck. Die Städte, Bauernhöfe, Höhlen, und Landschaften versetzen den Spieler in eine andere Welt. Oft läuft man nur mit staunenden Augen durch die Welt und kann sich gar nicht an der Umgebung satt sehen. Im Gegensatz zum Vorgänger wurde besonderer Wert auf die Landschaften gelegt. So erstrahlen die Wälder und Seen in einer unglaublichen Pracht. Dies hat allerdings auch Nachteile. So kann es in den Kämpfen durchaus vorkommen, daß man seinen Helden zwischen all den Bäumen und Sträuchern aus den Augen verliert. So ist man teilweise gezwungen, freies Land zu suchen, um sich mit den Monstern anzulegen. Ein zweiter Wermutstropfen dieser grafischen Pracht ist der enorme Hardwarehunger. In voller Pracht erstrahlen die Landschaften nämlich erst, wenn man die Sichtweite auf 250 – 300% stellt, eine Aufgabe, der nur sehr starke Rechner gewachsen sind.
Damit neben dem Auge auch das Ohr etwas zum Freuen hat, wurde bei der akustischen Umsetzung auch nicht geschlampt. Die musikalische Untermalung trägt viel zur Atmosphäre bei. Das man des öfteren auf die selben Sprecher trifft, fällt einem nach kurzer Zeit schon nicht mehr auf. Gothic 2 verzichtet fast vollständig auf Text. Allen Gesprächen kann man zuhören. Hierbei fällt positiv auf, das das Spiel aus heimischen Landen kommt, so viel das Risiko einer Synchronisation weg. Insgesamt ist das Spiel also ein Genuß für Aug und Ohr. Damit Gothic 2 aber auch ein Fest für den Geist wird, muß es sich auch vernünftig steuern. Veteranen des ersten Teils sollten mit der Steuerung keine Probleme haben. Anfänger werden aber gerade am Anfang ihre liebe Mühe mit den teils recht schweren Kämpfen haben. Die Kampfsteuerung ist zwar in zwei verschiedenen Modi verfügbar, leichter wird das Spiel aber dadurch nicht. Hauptärgernis ist, das unser Held ab und zu vollkommen unbeteiligte Personen trifft. Das wird immer dann ein Problem, wenn man es mit mehreren Gegner zu tun hat, bzw. mehrere Leute um einen Kampf herum stehen. Da man seinen Gegner nicht festschalten kann, kann es durchaus passieren, das das Programm einen anderen Gegner ins Visier nimmt. Bei der bereits erwähnten realistischen Umgebung sorgt man so schnell für viele Feinde. Glücklicherweise sind solche Situationen selten, wären aber vermeidbar.
Wie bereits erwähnt, ist der Schwierigkeitsgrad gerade für Rollenspieleinsteiger zu hoch. Erfahrene Spieler freuen sich über die vielen Freiheiten, Neulinge werden von den vielen Möglichkeiten aber nahezu erschlagen. An allen Ecken und Enden gibt es etwas zu tun, so daß man irgendwann gar nicht mehr weiß, wo man denn nun hin muß. Zwar geben einem viele Leute Tips, doch fallen die auch wieder so vielseitig aus, das sie im Endeffekt nicht die große Hilfe sind. Wie bereits erwähnt sind also sehr viele Aufgaben zu erledigen. Dabei handelt es sich nicht um irgendwelche 0815 Aufträge, nein, jede Mission ist anders und kann teilweise auf verschiedenen Wegen gelöst werden. So wird sich der Spieler also als Jäger, Detektiv oder auch mal als Rübensammler sehen. Glücklicherweise wurde das bewährte Journal wieder in den zweiten Teil mit übernommen, so daß man immer einen Überblick hat, welche Aufgaben noch zu erledigen sind. Für jede erfüllte Aufgabe und für jeden gewonnenen Kampf bekommt der Spieler Erfahrungspunkte, die irgendwann in einem Levelaufstieg enden. Neben mehr Lebenspunkten bekommt man auch Lernpunkte, die man bei den verschiedenen Meistern in neues Wissen umsetzen kann. So stolpert unser Held anfangs beispielsweise fast über sein Schwert, wird aber im Laufe der Zeit zu einem wahren Meister des Kampfes. Ob man sich dabei auf Einhand- oder Zweihandwaffen, auf Bögen oder Magie spezialisiert, bleibt Sache des Spielers. Alles wird man allerdings nicht lernen können, so daß das Spiel zum mehrmaligen Durchspielen einlädt.
Auch das Handbuch wurde sehr gut gestaltet und gibt neuen Spielern einen guten Einblick und Hilfe bei den ersten Schritten in der neuen Welt. Somit kann man also mit bestem Gewissen sagen, daß Gothic 2 eins der besten Rollenspiele des Jahres ist. Ob man sich nun für Gothic 2 oder Morrowind entscheidet, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, aber verstecken muß sich dieser Rollenspielhammer vor der internationalen Konkurrenz nicht.
Fazit
Gothic 2 ist eine Rollenspieloffenbarung. Das Spiel setzt genau da an, wo der Vorgänger aufgehört hat. Kleine Mängel im Steuerungsbereich übersieht man gern, hat man doch eins der atmosphärisch dichtesten Rollenspiele auf dem Monitor. Wer solche Spiele mag, sollte sofort zugreifen.
Systemanforderungen
Systemangaben: Rechner mit 2,8 Ghz, 512 MB Ram, 2,2 MB Festplattenspeicher, 3 D Karte mit 32 MB
Voraussetzungen: Rechner mit 800Mhz, 128 MB Ram, 2,2GB Festplattenspeicher, 3D Karte mit 32 MB Ram